Schleswig-Holstein

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Artenhilfsprojekt Wiesenküchenschelle

07.11.2021

Wiederansiedlung der Wiesen-Küchenschelle am Priwall bei Travemünde nachhaltig geglückt - weitere Ansiedlungsmaßnahmen im Kreis Herzogtum-Lauenburg durchgeführt.

Viele Gartenliebhaber kennen sie, die Küchenschelle. Stammen die Zuchtformen für unsere heimischen Gärten zumeist von der Gewöhnlichen Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) ab, so ist eine ihrer Schwestern, die Wiesen-Küchenschelle (Pulsatilla pratensis) wohl eher unbekannt. Dabei findet die urtümlich anmutende Pflanze kälterer Klimaperioden mit ihren hängenden Blütenköpfchen und ihrer seidigen Behaarung in Schleswig-Holstein ihre nordwestliche Verbreitungsgrenze in Deutschland.

Die Art ist in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedroht. Zum Zeitpunkt des Aufbaus der Artenagentur Schleswig-Holstein in 2009 kam die Art nur noch an einem Standort bei Büchen-Dorf, im Kreis Herzogtum Lauenburg vor.

Eine frühere Verbreitung in Schleswig-Holstein fand die Art ebenfalls in Lübeck. Am Priwall bei Travemünde und am Dummersdorfer Ufer wurde diese Art in den 1930’er-Jahren noch als zahlreich beschrieben, während sie bereits um 1970 wegen intensiverer Flächennutzungen (v.a. der Strände und Dünen) nicht mehr zu finden war (Eberle 1983).

Da alleinige Schutzmaßnahmen des einzigen rezenten Bestandes bei Büchen-Dorf nicht mehr ausreichten, um die Art in Schleswig-Holstein zu erhalten, wurde im Sommer 2010 von der Artenagentur in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e.V. (LPV) ein dreijähriges Projekt konzipiert, um die Art im Raum Lübeck wieder anzusiedeln.

Ausgangssaatgut für die Anzucht konnte unweit im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern mit Genehmigung des dortigen Landesamtes bei Barendorf gesammelt werden, wo die Art ebenfalls noch in einem größeren rezenten Bestand vorkommt. Der LPV baute daraufhin in 2010 eine Mutterpflanzenkultur auf. In den Jahren 2011 bis 2013 konnten dann 36 Ansiedlungen am Priwall und am Dummersdorfer Ufer durchgeführt werden. Pro Ansiedlung wurden dabei 50 bis 200 Pflanzen in mehreren Transekten ausgebracht – insgesamt über 3.000 Exemplare.

Die 24 Ansiedlungsbestände am Priwall konnten nun im Mai 2021 nach über 9 Jahren nochmal in Bezug auf ihren Ansiedlungserfolg gemonitort werden. Erfreulich konnte festgestellt werden, dass sich über ein Drittel der Bestände in Ausbreitung befinden. Die Reproduktionsraten liegen vereinzelt sogar über 200%. In einem weiteren Drittel waren immerhin noch gut 50% der ehemals angesiedelten Individuen anzutreffen. Derartig hohe Raten sprechen für ein sehr gut gelungenes Wiederansiedlungsprojekt.

Ein wesentlicher Erfolg der Maßnahmen ist auf das sehr offene, sandige und nährstoffarme Terrain und den damit einhergehenden fehlenden Konkurrenzdruck, z.B. durch Gräser, zurückzuführen. Auch mag die besondere Situation in Meeresnähe, die relativ hohe Luftfeuchtigkeit auch bei trockener Witterung förderlich sein. Sie fördert allerdings auch eine starke Vermoosung der zum Meer hin geneigten Dünenhänge, an denen die Ansiedlungen liegen.

Um ein weiteres Zuwachsen der geschützten Dünenbereiche zu verhindern und Bodenstörungen zu initiieren, die ein weiteres Aussamen von Pulsatilla pratensis ermöglichen, sollen die Flächen zukünftig temporär mit Schafen beweidet werden.

Die Aktionen zur Wiesen-Küchenschelle stehen am Priwall wegen der Attraktivität der Art auch immer wieder mal im Fokus der Öffentlichkeit. So wurden die Ansiedlungen 2013 durch den damaligen Umweltsenator der Stadt Lübeck, Herrn Bernd Möller, begleitet. Der Ansiedlungserfolg zeigt auch, dass Naturschutz und touristische Nutzung koexistieren können - zumindest, wenn für beide Nutzungen ausreichend Raum vorhanden ist.

Um der Weisenküchenschelle im Südosten Schleswig-Holsteins weiterhin unter die Arme zu greifen, konnten für 2021 auch mit dem Kreis Herzogtum-Lauenburg Ansiedlungsmaßnahmen vereinbart werden. Im Spätsommer konnten so auf ehemals renaturierten Grünlandflächen im Elbe-Lübeck-Kanaltal bei Breitenfelde 500 Exemplare von Pulsatilla pratensis ausgepflanzt werden. Auch diese Maßnahmen werden in den nächsten Jahren einer Erfolgskontrolle unterzogen.


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